Persönliche Ansichten eines  Schreiberlings

Dies wurde auch in den nächsten zwei Tagen nicht von den Ärzten erkannt. Hätte meine Frau nicht ein riesiges Theater veranstaltet und eine Ärtzin an mein Bett genötigt, wäre ich nicht mehr da.

Trotz Not-Op hing mein Leben über Monate am seidenen Faden. Meine Natalie war einige Male auf der Intensivstation um sich von mir zu verabschieden. Scheinbar wollte ich noch ein wenig bleiben und so überlebte ich irgendwie. In der Folge wurde ich in allen möglichen Kliniken über 20mal operiert.  Da nichts richtig funktionierte bekam ich letztendlich eine künstliche Bauchdecke verpasst. Meinen Beruf durfte ich nicht mehr ausüben und so drückte ich noch einmal diverse Schulbänke. Ich wurde Rechtsreferent, Pflegegutachter und Erziehungsberater, fing wieder an Kampfsport zu machen und alles sah ganz gut aus.


Bis ich dann 2015 nach einer längeren Fahrradtour zusammenklappte. Anschließend stellte man fest, dass, bedingt durch die vielen Operationen, so ziemlich alles in mir verwachsen war. Unter anderem gibt es Muskeln, die durch den Bauchraum laufen und es den Beinen ermöglichen sich zu heben. Diese waren mit Bauchorganen und Darmschlingen verwachsen. Durch die Radfahrbewegung riss da irgendenwas ab. Es wurde wieder mal eng. Durch viel Glück und in diesem Fall gute Ärzte, überlebte ich auch diesmal. Allerdings mit Folgen. Ich kann nicht mehr laufen, mich nicht mehr bücken, nicht drehen, nicht strecken, nichts tragen, mein rechtes Bein kann nicht mehr belastet werden, mein Linkes zu 10 - 15%.  Ich habe ständig Schmerzen, Durchfälle im Wechsel mit Verstopfung. Ab und zu einen Darmverschluss.

So liege ich mindesten einmal pro Jahr im Krankenhaus. Leider ist durch das Koma und die hohe und lange Morphiumbehandlung, mein Schlafzentrum aus dem Tritt geraten. Dadurch wurde meine relativ harmlose Schlafapnoe zu einer gefährlichen Atemstörung. Also werde ich nachts mittels Maske hilfsbeatmet. Außerdem habe ich einige Hernien neben der künstlichen Bauchwand, so das sich Darmschlingen nach außen drücken möchten. Also trage ich ein Bruchband, wegen dem  Bewegungsmangel sammelt sich massiv Wasser  in den Beinen, daher trage ich Stützstrümpfe und wie  bereits erwähnt, nachts eine Beatmungsmaske. Meine Frau hat dadurch das zweifelhafte Vergnügen  mit Robocop  das Bett zu teilen.
Nun habe ich Pflegegrad 4 und unsere Tochter Laura Pflegegrad 5. Meine Frau muss also täglich ,auch am Wochenende, an Feiertagen und wenn sie selber krank ist, Pflegegrad 9 versorgen!

Ich habe mal ausgerechnet, das meine Frau in guten Monaten 430 Stunden und in schlechten bis zu 550 Stunden aufbringen muss um Haushalt und uns zu versorgen. Immer! Zusätzlich in ständiger Sorge, dass sich Lauras oder mein Zustand verschlechtert. Laura ist 1998 geboren, 160cm groß und ca. 80Kg schwer. Sie leidet an einem Gendefekt. Sie kann nicht zielgerichtet laufen, nicht sprechen und trägt Windeln. Laura ist in verschiedenen Dingen auf dem Stand eines 9 Monate alten Kindes, in anderen Dingen auf dem Stand eines 3 Jährigen. Sie bekommt Tobsuchtsanfälle (früher täglich mehrere, durch Medikamente ist dies besser geworden) und epileptische Anfälle. Trotzdem ist sie der liebenswürdigste und ehrlichste Mensch den man sich vorstellen kann. Laura und ich müssen also täglich angezogen, gewaschen und ernährt werden. Ich kann zum Glück noch alleine essen, bei Laura ist das nicht so. Nebenbei hat natürlich unser Jüngster auch noch ein paar Ansprüche.  Wenn wir  Einkaufen wollen oder zum Arzt, ist das jedesmal ein Staatsakt.  Zwei Elektro-Rollstühle werden von meiner Frau fertig gemacht und mit  Inhalt ins Auto verfrachtet, Medikamente, Windeln, Spielzeug und  Nahrung muss mit. Ein Irrsinn.  Trotz  dieser Tortour für meine Frau lässt sie es sich nicht nehmen, wenigstens einmal im Jahr mit uns in den Urlaub zu fahren. Urlaub bedeutet in diesem Fall aber für meine Natalie noch mehr Arbeit. Ihr werdet verstehen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass ich das Glück hatte den besten Menschen der Welt geheiratet zu haben. 

Ich will noch erwähnen, dass unsere Kinder uns helfen wo sie können. Aber sie leben teilweise woanders und haben auch ihr eigenes Leben zu meistern. Auch meine Brüder, Schwager und Schwägerinnen sind toll. Unsere Nachbarn sind eingesprungen und die Schwiegereltern haben viel für uns getan. Meine Mutter ist leider früh verstorben, mein Vater mit schwerer Demenz selbst im Heim. Mein Freund und Schwiegervater ist leider 2016 verstorben. Meine Schwiegermutter hat für ihre Enkel immer alles gegeben. Jetzt ist sie aber schon 70 und auch nicht mehr so gesund, so das sie hier nicht mehr einspringen kann. Unsere älteste Tochter hat ein besonderes Verhältnis zu Laura. Sie ermöglicht uns, zusammen mit ihrer Verlobten, dass wir wenigstens ein, zweimal im Jahr für ein, zwei Tage, einen Kurzurlaub machen können.  Dies wird aber immer weniger, da mein Zustand  mittlerweile schlecht kalkulierbar  ist. Aber durch meine Frau, die Verwandten  und die Liebe, welche ich durch sie erfahre, darf ich feststellen:

Ich bin ein glücklicher Mensch und ich wage zu glauben und hoffe, dass auch Natalie und unsere Kinder zufrieden sind.

So , jetzt  ist das  Wichtigste erklärt. Ich  hoffe das Ihr nun meine kommenden Ausführungen etwas besser  verstehen könnt.


Dazu später mehr... ->